{"id":44,"date":"2014-10-30T20:17:26","date_gmt":"2014-10-30T20:17:26","guid":{"rendered":"http:\/\/de.esfkosovo.org\/?p=44"},"modified":"2015-02-18T17:48:18","modified_gmt":"2015-02-18T17:48:18","slug":"mission-kosovo-oktober-2014-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/de.esfkosovo.org\/?p=44","title":{"rendered":"Mission Kosovo &#8211; Oktober 2014 \/ Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Vom 01.-05. Oktober 2014 bereisten wir im Rahmen einer Hilfsmission der European Solidarity Front for Kosovo (ESFK) zum ersten Mal Kosovo und Metochien. W\u00e4hrend unseres Besuches trafen wir Familien, Kinder und einfache Menschen, deren Schicksal uns tief beeindruckte. Der folgende Artikel eines unserer Aktivisten verdeutlicht metaphorisch dessen Eindr\u00fccke und versucht so ein Bild zu zeichnen, unter welchen Umst\u00e4nden die Serben im Kosovo heute leben.<\/p>\n<p><b>Das letzte Kind von Prizren<\/b><\/p>\n<p>Sonnabend, 4. Oktober. Schon zeitig sind wir aufgebrochen. Auf den Stra\u00dfen das immer wiederkehrende Bild. Unter den von serbischen Ortsnamen befreiten Stra\u00dfenschildern bieten Bauern die Fr\u00fcchte ihrer Feldarbeit feil. K\u00fcrbisse, Zwiebeln, gro\u00dfe S\u00e4cke mit rotem und gelbem Spitzpaprika. Immer wieder erblicke ich milit\u00e4rische Fahrzeuge der KFOR-Truppen, die mich unweigerlich an die aktuelle Situation im Kosovo erinnern und mir augenblicklich Familie <span lang=\"de-DE\">\u0160api\u0107 <\/span><span lang=\"de-DE\">und das Lachen der Schulkinder aus <\/span><span lang=\"de-DE\">Orahovac<\/span><span lang=\"de-DE\"> ins Ged\u00e4chtnis rufen<\/span>. Mein Blick schweift in die Ferne und taucht ein in die wundersch\u00f6ne Naturlandschaft des Kosovo. Karg bewachsene H\u00fcgel und hohe, dicht bewaldete Berge wechseln einander mit schroffen Felskanten ab. An den schattigen H\u00e4ngen dr\u00e4ngen sich dicht die bunten D\u00e4cher kleiner D\u00f6rfer. Wir sind unterwegs nach Prizren, einer in der serbischen Geschichte bedeutenden Stadt am s\u00fcdlichen Zipfel des Kosovo, unweit der mazedonischen und albanischen Grenze. Als Zentrum der serbisch-orthodoxen Kirche war Prizren \u00fcber Jahrhunderte hinweg die gr\u00f6\u00dfte Stadt des Landes und wuchs zu einer Handelsmetropole heran, die in ihrer Bl\u00fctezeit selbst H\u00e4ndler aus Mitteleuropa anzog. Zu den wichtigsten touristischen Sehensw\u00fcrdigkeiten geh\u00f6ren heute unter anderem die von Du\u0161an dem M\u00e4chtigen im 14. Jahrhundert erbaute Festung oder die Sinan-Pascha-Moschee. Das 1615 aus den Resten des im Zuge der osmanischen Expansion 1455 zerst\u00f6rten Erzengelklosters erbaute Gotteshaus soll \u00fcber das h\u00f6chste Minarett des Balkans verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der Dacia h\u00e4lt mitten im Zentrum. Die Zeit bis zu unserem Treffen mit der kleinen Milica Djordjevi\u0107 und ihrer Mutter Evica nutze ich, um mich ein wenig umzusehen. <span lang=\"de-DE\">U<\/span><span lang=\"de-DE\">nweit des <\/span><span lang=\"de-DE\">Flusses <\/span>Prizrenska Bistrica, den eine alte osmanische Steinbr\u00fccke aus dem 15. Jahrhundert \u00fcberspannt, finde ich einen polierten Granitblock, ges\u00e4umt von zwei albanischen Flaggen. Gewidmet ist der Stein Rrust Kabashi, einem albanischen K\u00e4mpfer, der im Jahr des Ausbruchs eines bewaffneten Aufstandes gegen die osmanische Okkupation, 1910, gefallen war. Trotz der kurzen Zeit, welche ich nun mit meinen tschechischen Freunden im Kosovo unterwegs bin, habe ich mich erstaunlich schnell an die Eigenart der vielen albanischen und us-amerikanischen Fahnen, aber auch die schier unfassbare Zahl der <span lang=\"de-DE\">U<\/span><span lang=\"de-DE\">\u00c7<\/span><span lang=\"de-DE\">K-<\/span><span lang=\"de-DE\">Denkm\u00e4ler<\/span> <span lang=\"de-DE\">gew\u00f6hnt. Eine politische Bewertung der Situation verbietet sich mir als Au\u00dfenstehende<\/span><span lang=\"de-DE\">m<\/span><span lang=\"de-DE\"> ohnehin, weshalb ich solches <\/span><span lang=\"de-DE\">bereits<\/span><span lang=\"de-DE\"> im Vorfeld <\/span><span lang=\"de-DE\">nicht <\/span><span lang=\"de-DE\">als Grundlage meiner Entscheidung f\u00fcr oder wider diese Reise <\/span><span lang=\"de-DE\">herangezogen hatte<\/span><span lang=\"de-DE\">. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Fakten jedoch, die ich <\/span><span lang=\"de-DE\">hier<\/span><span lang=\"de-DE\"> mit eigenen Augen \u00fcber das Leben der Serben in der heutigen Republik Kosovo <\/span><span lang=\"de-DE\">sehe<\/span><span lang=\"de-DE\">, sprechen auf ganz eigene Weise f\u00fcr sich <\/span><span lang=\"de-DE\">selbst<\/span><span lang=\"de-DE\">.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">E<\/span><span lang=\"de-DE\">in Leben wie das der 8-j\u00e4hrigen Milica Djordjevi\u0107. Wir treffen das kleine M\u00e4dchen und ihre Mutter Evica vor der <\/span><span lang=\"de-DE\">Kapelle<\/span><span lang=\"de-DE\"> des Heiligen Georg<\/span>. Unschuldig und mit gro\u00dfer Neugier sind die Augen dieser reinen Kinderseele auf uns gerichtet. Wir begr\u00fc\u00dfen uns herzlich und \u00fcbergeben auch Milica ein P\u00e4ckchen mit Schulmaterial und kleinen \u00dcberraschungen. Dar\u00fcber hinaus eine Geldspende an ihre Mutter. Mit ihnen ist auch der 84-j\u00e4hrige \u201eGro\u00dfvater\u201c Adam gekommen, ein Gorane aus Prizren, der beschlossen hatte den beiden zu helfen, als er von ihrer Geschichte h\u00f6rte. \u201eGro\u00dfvater Adam ist unser Schutzengel\u201c, sagt Evica <span lang=\"de-DE\">Djordjevi\u0107 <\/span><span lang=\"de-DE\">und beginnt, uns ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Vier <\/span><span lang=\"de-DE\">ihrer <\/span><span lang=\"de-DE\">nahe<\/span><span lang=\"de-DE\">n<\/span><span lang=\"de-DE\"> Verwandte<\/span><span lang=\"de-DE\">n<\/span><span lang=\"de-DE\"> wurden w\u00e4hrend des Kosovokrieges get\u00f6tet. Sie selbst <\/span><span lang=\"de-DE\">wurde 1999 von <\/span><span lang=\"de-DE\">U<\/span><span lang=\"de-DE\">\u00c7<\/span><span lang=\"de-DE\">K-<\/span><span lang=\"de-DE\">Milizen schikaniert, bedroht und geschlagen. Zeiten voller Angst, welche sie bis heute nicht losl\u00e4sst, erkl\u00e4rt Evica, die a<\/span><span lang=\"de-DE\">ls Absolventin der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kunst, heute von 55,- Euro im Monat <\/span><span lang=\"de-DE\">lebt<\/span><span lang=\"de-DE\">. Eine Arbeit findet sie nicht. Der muslimisch-gl\u00e4ubige Adam, der angesichts des Milica und ihrer Mutter zuteil gewordenen Unrechts auch den serbisch-orthodoxen Glauben angenommen hat, unterst\u00fctzt sie so gut er kann. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die drei sind jetzt eine Familie. <\/span><span lang=\"de-DE\">Seine Begleitung sch\u00fctzt Mutter und Kind vor m\u00f6glichen \u00dcbergriffen, denn als alter Moslem genie\u00dft Adam <\/span><span lang=\"de-DE\">in der Stadt <\/span><span lang=\"de-DE\">einen gewissen Respekt \u2013 <\/span><span lang=\"de-DE\">eine Art Lebensversicherung<\/span><span lang=\"de-DE\">. \u201eWas wird sein, wenn der Alte nicht mehr ist?\u201c denke ich, w\u00e4hrend Lenka, das M\u00e4del aus unserer Gruppe, weiter f\u00fcr mich \u00fcbersetzt. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die albanische Schule in der N\u00e4he ihrer Wohnung kann die kleine Milica nicht besuchen. F\u00fcr sie wurde ein kleines Zimmer im Kirchenkomplex eingerichtet, wo sie t\u00e4glich von einem serbischen Lehrer unterrichtet wird. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der winzige Raum<\/span><span lang=\"de-DE\">, in dem <\/span><span lang=\"de-DE\">Schulbank, Stuhl und Tisch stehen, ist formal eine Au\u00dfenstelle der <\/span><span lang=\"de-DE\">O<\/span><span lang=\"de-DE\">\u0160 <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201e<\/span><span lang=\"de-DE\">Dositej Obradovi<\/span><span lang=\"de-DE\">\u0107\u201c <\/span><span lang=\"de-DE\">in Orahovac. Eben jener Schule die wir am Vortag besucht hatten. Milica, die erst vor ein paar Jahren zum ersten Mal die Wohnung verlassen hatte, hat keine Spielkameraden. \u201cIhr bester Freund\u201d, so sagt Evica, \u201cist Gro\u00dfvater Adam\u201d. <\/span>Unterschiedlichen Quellen zufolge lebten vor 1999 mehr als 10.000 Serben in Prizren. Laut Angaben des kosovarischen Amtes f\u00fcr Statistik, so ein Papier der Schweizerischen Fl\u00fcchtlingshilfe, lebten 2011 in der gesamten Gemeinde Prizren lediglich 237 Serben. In der Stadt selbst sind es heute nur noch 20. Die kleine Milica <span lang=\"de-DE\">Djordjevi\u0107, <\/span><span lang=\"de-DE\">das tapfere 8-j\u00e4hrige M\u00e4dchen, ist das letzte serbische Kind <\/span><span lang=\"de-DE\">von<\/span><span lang=\"de-DE\"> Prizren!<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Gemeinsam machen wir einen kleinen Spaziergang zur <\/span><span lang=\"de-DE\">Kirche <\/span><span lang=\"de-DE\">Bogorodica Ljevi\u0161ka, <\/span><span lang=\"de-DE\">der serbisch-orthodoxen Zentralkirche <\/span><span lang=\"de-DE\">der Stadt<\/span><span lang=\"de-DE\">. W\u00e4hrend der schweren Ausschreitungen und \u00dcbergriffe gegen die serbische Minderheit im Kosovo im M\u00e4rz 2004, wurde die Kirche von albanischen Extremisten angez\u00fcndet und schwer besch\u00e4digt. Heute steht sie auf der roten Liste des gef\u00e4hrdeten Welterbes. Insgesamt 150 Kirchen wurden <\/span><span lang=\"de-DE\">seit 1999 <\/span><span lang=\"de-DE\">besch\u00e4digt, niedergebrannt oder vollkommen zerst\u00f6rt. Stacheldraht kr\u00f6nt den Zaun vor dem Geb\u00e4ude, welches durch einen Posten der kosovarischen Polizei bewacht wird. Hier m\u00fcssen wir auch den Schl\u00fcssel erbitten, wollen wir ins Innere der Kirche treten. Ich stehe im \u00e4u\u00dferen Bogengang und blicke nach oben. Die Fresken sind zerschlagen. Auch die Malereien in der Kirche sind durch das Feuer stark besch\u00e4digt, <\/span><span lang=\"de-DE\">besser gesagt so gut wie nicht mehr vorhanden<\/span><span lang=\"de-DE\">. <\/span><span lang=\"de-DE\">Ich steige eine <\/span><span lang=\"de-DE\">knarrige<\/span><span lang=\"de-DE\"> Holztreppe hinauf und schaue hinunter in den kahlen Kirchenraum. Die eindrucksvollen Kirchen aus Sremska Mitrovica und dem Klo<\/span><span lang=\"de-DE\">ster <\/span><span lang=\"de-DE\">Visoki<\/span><span lang=\"de-DE\"> De<\/span><span lang=\"de-DE\">\u010d<\/span><span lang=\"de-DE\">ani <\/span><span lang=\"de-DE\">vor Augen, wird mir in diesem <\/span><span lang=\"de-DE\">Moment<\/span><span lang=\"de-DE\"> das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung erst vollends bewusst. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Nach einer Weile verlassen wir die <\/span><span lang=\"de-DE\">Kirche <\/span><span lang=\"de-DE\">Bogorodica Ljevi\u0161ka wieder und begeben uns zur\u00fcck ins Zentrum. Es ist Zeit Abschied zu nehmen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Leb wohl, tapfere Milica! Wir werden dich nicht vergessen!<\/span><\/p>\n<p><b>Bei den Goranen<\/b><\/p>\n<p>Weiter geht unsere Fahrt. In schnellem Tempo verlassen wir das Tal am Fu\u00dfe des \u0160ar Planina Gebirgszuges. Immer h\u00f6her winden sich die Stra\u00dfen und geben einen atemberaubenden Blick auf die bezaubernd sch\u00f6ne Bergwelt des s\u00fcdlichen Kosovo frei. Wir sind auf dem Weg zu den Goranen, einem autochthonen Volk muslimischen Glaubens, welches haupts\u00e4chlich im S\u00fcden des Kosovo lebt. Als anerkannte Minderheit sind sie auch im kosovarischen Parlament vertreten. Diese Zusammenkunft ist f\u00fcr uns, v\u00f6llig abseits unserer ganz pers\u00f6nlichen und oft subjektiven Einstellungen zum Thema Religion, etwas ganz Besonderes. Nicht genug, dass wir hier den Vertretern einer aussterbenden Volksgruppe begegnen, haben sich diese Menschen trotz des h\u00f6chsten Festes im islamischen Jahreskreis, dem Opferfest Kurban Bayrami welches sie in diesen Tagen begehen, die Zeit f\u00fcr ein Treffen mit uns genommen.<\/p>\n<p>Es ist etwa 14.00 Uhr, als wir uns auf einer etwa 1500 Meter hohen Bergspitze mit dem B\u00fcrgermeister der Gemeinde Gora, sowie dem Mitglied des Parlamentes <span class=\"_5yl5\" data-reactid=\".2a.$mid=11414267881409=2f9d469ae8501b05d93.2:0.0.0.0.0\"><span data-reactid=\".2a.$mid=11414267881409=2f9d469ae8501b05d93.2:0.0.0.0.0.0\"><span data-reactid=\".2a.$mid=11414267881409=2f9d469ae8501b05d93.2:0.0.0.0.0.0.$end:0:$4:0\">Adem Hodza<\/span><\/span><\/span>, treffen. Gemeinsam fahren wir in das nahe gelegene Dorf Brod, dem letzten Ort vor der etwa 3,5 Kilometer Luftlinie entfernten Grenze zu Mazedonien. In einem Stra\u00dfencaf\u00e9 setzen wir uns nieder. Schnell entwickelt sich ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die Situation der Goranci, wie sie sich selbst nennen. Im Gegensatz zu den gro\u00dfen St\u00e4dten, wo sich einige der dort lebenden Goranen den aktuellen politischen Gegebenheiten angepasst haben, bekennen sich die Bewohner der etwa 19 goranischen Bergd\u00f6rfer zu ihren serbischen Wurzeln. So wird beispielsweise auch der Schulunterricht nach serbischem Lehrplan durchgef\u00fchrt. Wie fast alle ethnischen Minderheiten im Kosovo, sehen sich auch die Goranci mit Repressionen konfrontiert. Die Regierung des Kosovo ist bestrebt, den Goranen das Recht auf eine eigene Verwaltung zu entziehen und ihre Identit\u00e4t zu vernichten. Die Hoffnung und Bereitschaft auf eine friedliche Koexistenz aber, so erkl\u00e4ren uns unsere Gastgeber, haben sie nicht verloren.<\/p>\n<p>Laut einem Artikel des Autors Thomas Schmidinger aus dem Jahr 2008, lebten bei einer 1991 durchgef\u00fchrten Volksz\u00e4hlung noch 16.000 Goranen im Kosovo. Genaue Angaben \u00fcber die Zahl der weltweit noch lebenden Volksangeh\u00f6rigen sind nicht existent. Man geht jedoch nach unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen heute von noch etwa 20.000 Goranen aus. Wir gehen noch ein St\u00fcck durch das Dorf. Bei den letzten H\u00e4usern, dort wo sich die kleine schmale Stra\u00dfe gabelt, stoppen wir f\u00fcr ein letztes Abschiedsfoto. Kurz darauf sind wir wieder auf dem Weg zu unserem Quartier in Velika Hoca. So endet ein weiterer erlebnisreicher Tag unserer humanit\u00e4ren Hilfsmission in Kosovo und Metochien. Ich werde Wochen brauchen, um all die Eindr\u00fccke, all das Erlebte einzuordnen und zu verarbeiten.<\/p>\n<p><b>Der letzte Einsatz<\/b><\/p>\n<p>Sonntag, der Tag unserer Abreise. Wir packen unsere Taschen und fast greifbar liegt ein Hauch von Wehmut in der Luft. Ein letzter Blick \u2013 Nichts vergessen\u2026 Langsam, jeder seinen eigenen Gedanken nachh\u00e4ngend, steigen wir die Treppe von unserem Quartier hinunter in den kleinen Garten. Wir begleichen die Rechnung bei unserer Wirtin, die mit uns durch das eiserne Tor hinaus auf die Stra\u00dfe tritt. Doch bevor wir aufbrechen, besuchen wir noch eine weitere hilfsbed\u00fcrftige Familie, hier in Velika Hoca. Es wird der letzte Einsatz unserer Mission sein.<\/p>\n<p>Langsam rollt der Dacia \u00fcber die holprige Dorfstra\u00dfe. Vorweg geht unsere Wirtin, die den Weg weist. Wir halten vor einer alten, ausgebesserten Bruchsteinmauer. Ein altes Holztor gibt den Weg in den Hof vor dem Haus frei. Die junge Familie die hier lebt, erwartet ihr zweites Kind. Gemeinsam laden wir Spielsachen, Kinderkleidung, eine Babyschale, Decken, Desinfektionsmittel und noch einige andere Dinge aus dem Auto und tragen sie in das Haus, wo uns die schwangere Frau mit ihrem kleinen Sohn empf\u00e4ngt. Etwas sch\u00fcchtern schaut der Junge auf die vielen fremden Menschen, die sich nun dicht an dicht in der schmalen K\u00fcche dr\u00e4ngen. W\u00e4hrend Ji\u0159\u00ed den Grund unseres Besuches erkl\u00e4rt und unser Freund Jan alles ins Serbische \u00fcbersetzt, kramt Matej ein kleines rotes Spielzeugauto hervor. Die spontane Geste lockert sp\u00fcrbar die Zur\u00fcckhaltung des Jungen, dem das unerwartete Geschenk ein L\u00e4cheln auf sein zierliches Gesicht zaubert. Nach einem Erinnerungsfoto werden wir in die Wohnstube gebeten.<\/p>\n<p>Mit Lenka und Matej nehme ich auf dem Sofa Platz, w\u00e4hrend sich Jan, Ji\u0159\u00ed und Ladislav an den Tisch gegen\u00fcber setzen. Neben mir, auf einem Stuhl, sitzt Tom\u00e1\u0161. Nun sind wir komplett. Meine Augen wandern durch den kleinen mit Holz ausgekleideten Raum. Auf einem Schr\u00e4nkchen stehen Heiligenbilder, in der Ecke ein kleiner Ofen. Der Familienvater greift einen Schemel und setzt sich zu uns. Die Frauen bringen selbstgemachten Wein und Raki. Die Uhr zeigt erst viertel nach Neun, doch die unvergleichliche Gastfreundschaft der Balkanv\u00f6lker richtet sich nicht nach der Uhrzeit. \u201eVielleicht hilft es, den Abschiedsschmerz ein wenig zu lindern\u201c, kommt es mir in den Sinn, w\u00e4hrend ich gleichzeitig auf Matej achte, der mir \u00fcbersetzt was der Familienvater zu berichten hat. Er erz\u00e4hlt uns von der Zeit vor dem Krieg, als viele Serben hier in Velika Hoca noch Arbeit in der gro\u00dfen Weinkelterei fanden. Heute sei es um ein Vielfaches schwerer. Oft besteht die einzige M\u00f6glichkeit nur darin, die Heimat zu verlassen um anderswo eine Arbeit zu finden. Er selbst lehnt das allerdings ab, so der Mann, der lieber bei seiner Frau und der Familie bleiben will.<\/p>\n<p>Wir treten wieder auf den Hof. Unter einem Vordach trocknen wei\u00dfe Bohnen, eine Zutat f\u00fcr viele traditionelle serbische Gerichte. Zum Abschied bringt man Flaschen mit hausgemachtem Rotwein, eine f\u00fcr jeden von uns. Durch das kleine Holztor treten wir wieder auf die Stra\u00dfe. Eine letzte Umarmung, ein letzter Blick \u00fcber die D\u00e4cher von Velika Hoca, dann steigen wir in das Auto. Noch lange winken wir der Familie, bis sie am Horizont unseren Augen entschwindet. Der Moment des Abschieds ist gekommen. Unausweichlich.<\/p>\n<p><b>Gazimestan und Amselfeld<\/b><\/p>\n<p>Mit jeder Minute w\u00e4chst die Entfernung zwischen uns und dem D\u00f6rfchen Velika Hoca, das uns in den letzten Tagen Heimat war. Es ist ungew\u00f6hnlich still im Dacia geworden, der nun wieder \u00fcber die holprigen Stra\u00dfen zur\u00fcck nach Norden rollt. Jeder seinen eigenen Gedanken nachh\u00e4ngend, schauen wir aus dem Fenster. Die Welt scheint an uns vor\u00fcber zu fliegen. Die Bauern am Stra\u00dfenrand mit ihren Zweiradtraktoren, wie sie ihre Feldfr\u00fcchte anbieten. Die dicht bewaldeten Berge am Horizont, an deren F\u00fc\u00dfen sich die bunten D\u00e4cher kleiner D\u00f6rfer Schutz suchend anschmiegen. Die weiten Felder, Rinder und Schafe die scheinbar ungest\u00f6rt und unbeobachtet umherziehen.<\/p>\n<p>Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, als sich in der Ferne ein gro\u00dfer Turm vom Horizont abhebt. Es ist die Gedenkst\u00e4tte Gazimestan auf dem Amselfeld, letzte Station unserer Reise durch Kosovo und Metochien. Wie die <span lang=\"de-DE\">Kirche <\/span><span lang=\"de-DE\">Bogorodica Ljevi\u0161ka in Prizren und viele andere serbische Kulturg\u00fcter, fiel auch die 1953 errichtete Gazimestan der Zerst\u00f6rung durch Angeh\u00f6rige der paramilit\u00e4rischen <\/span><span lang=\"de-DE\">U<\/span><span lang=\"de-DE\">\u00c7<\/span><span lang=\"de-DE\">K<\/span><span lang=\"de-DE\"> zum Opfer. Herausgeschlagene Inschriften und der gesprengte, inzwischen jedoch wieder instandgesetzte Aufgang zum Turm sind bis heute traurige Zeugen der <\/span><span lang=\"de-DE\">\u00dcbergriffe auf die serbische Bev\u00f6lkerung und ihre Kultur im Kosovo<\/span><span lang=\"de-DE\">. <\/span><span lang=\"de-DE\">Wieder hei\u00dft es Passkontrolle, bevor wir das weitl\u00e4ufig umz\u00e4unte Gel\u00e4nde betreten k\u00f6nnen. Es ist ein sch\u00f6ner Tag. Die Sonne sendet ihre warmen Strahlen und erw\u00e4rmt langsam den k\u00fchlen Stein der einem mittelalterlichen Turm nachempfundenen Anlage, w\u00e4hrend direkt neben dem W<\/span><span lang=\"de-DE\">achposten<\/span><span lang=\"de-DE\"> eine Streunerin damit besch\u00e4ftigt ist, die Schar ihrer kleinen Welpen zusammen zu halten.<\/span><\/p>\n<p>Langsam erklimmen wir die vielen Stufen bis ganz hinauf zur Spitze des Turmes, auf dessen Plattform wir uns wenig sp\u00e4ter wiederfinden. Das ist es also, das ber\u00fchmte Amselfeld. Zumindest ein kleiner Ausschnitt dieses 84 km langen tektonischen Beckens, das mit seinen 7547 km\u00b2 etwa siebzig Prozent der Fl\u00e4che des gesamten Kosovo einnimmt. Es muss ein gewaltiger Anblick gewesen sein, als sich 1389 hier auf diesen Feldern das serbische Koalitionsheer unter F\u00fchrung von F\u00fcrst Lazar Hrebeljanovi\u0107 und die osmanische Streitmacht unter Sultan Murad I. gegen\u00fcber standen. Eine an der Br\u00fcstung angebrachte Bronzetafel zeigt Aufstellung und Bewegungen der beiden gro\u00dfen Heere. Trotz aller M\u00fche f\u00e4llt es uns schwer, das Ausma\u00df der Schlacht auf dem Amselfeld vor dem geistigen Auge zu erfassen, die letztendlich in einer \u00fcber mehrere Jahrhunderte andauernden Besatzung durch das osmanische Reich m\u00fcndete. Noch eine ganze Weile schauen wir uns um, lassen die Weite und Sch\u00f6nheit des Landes auf uns wirken bevor wir, nach den obligatorischen Erinnerungsfotos, wieder hinabsteigen.<\/p>\n<p>Freundlich verabschiedet uns der Wachposten am Eingang und beinahe zwangsl\u00e4ufig, der unausweichlichen Logik des biologischen Kindchenschemas folgend, m\u00fcssen auch noch einmal die kleinen Hundewelpen begutachtet werden, bevor es weiter geht in Richtung Grenze. Ein letztes Mal passieren wir den Kontrollpunkt der KFOR in Kosovska Mitrovica. Ein letztes Mal f\u00fcr dieses Jahr. Denn den Entschluss, wieder in dieses Land zur\u00fcck zu kehren, tragen wir alle bereits tief in unseren Herzen. Dort, wo wir auch die Erinnerungen an die Menschen und ihre Geschichten f\u00fcr alle Zukunft bewahren. Menschen wie die kleine tapfere achtj\u00e4hrige Milica <span lang=\"de-DE\">Djordjevi\u0107<\/span> aus Prizren, Valentina <span lang=\"de-DE\">\u0160api\u0107 <\/span><span lang=\"de-DE\">und ihre vier Kinder<\/span>, die Englischlehrerin Johanna, Direktorin <span lang=\"de-DE\">Susanna Milicevic, <\/span>die Schulkinder aus Orahovac und all die anderen, deren Schicksal sich auf wunderbare Weise nun untrennbar mit unserem Leben verbunden hat.<\/p>\n<p>Noch einmal stoppt der Dacia. Nur wenige Kilometer trennen uns noch vom Grenz\u00fcbergang, der den Kosovo so k\u00fchl und scheinbar unab\u00e4nderlich vom serbischen Mutterland abschneidet. Wir stehen unter der gro\u00dfen Tafel mit der Aufschrift \u201eThis is Serbia!\u201c, welche uns schon bei unserer Ankunft aufgefallen war. Wir betrachten eine Weile den Text in serbischer und englischer Sprache, w\u00e4hrend sich in Gedanken all das Erlebte wie ein Film abspult. Ein letztes Erinnerungsfoto und kaum eine halbe Stunde sp\u00e4ter finden wir uns in Serbien wieder, nachdem der \u00fcbertrieben nette EULEX-Mitarbeiter mit blauer Armbinde und wei\u00dfer Aufschrift \u201eEU-Police\u201c unsere P\u00e4sse kontrolliert und abgestempelt hat. Irgendwann in der Dunkelheit endet unsere Fahrt. In einem kleinen Hotel nehmen wir Quartier. Es ist die letzte Nacht vor unserer R\u00fcckkehr nach Beograd.<\/p>\n<p><b>Tekeri\u0161 und die Schlacht am Jadar<\/b><\/p>\n<p>Montag, 6. Oktober. Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck verstauen wir unsere Sachen im Auto und brechen auf. Gut gest\u00e4rkt geht es auf die letzte Etappe zur\u00fcck in die serbische Hauptstadt. Auf unserem Weg statten wir dem kleinen Dorf Tekeri\u0161 einen Besuch ab, wo neben einem gro\u00dfen Denkmal auch ein kleines Museum an die Schlacht am Jadar erinnert. Die Schlacht, welche mit einem Sieg der serbischen Streitkr\u00e4fte \u00fcber die \u00f6sterreichisch-ungarische Armee endete, ereignete sich w\u00e4hrend der ersten Offensive \u00d6sterreich-Ungarns gegen Serbien im Ersten Weltkrieg. Die denkbar unpopul\u00e4re Niederlage der hochger\u00fcsteten kaiserlich und k\u00f6niglichen Armee gegen das von den Balkankriegen noch geschw\u00e4chte Serbien wurde publizistisch weitestgehend ignoriert, weshalb die auch als Schlacht von Cer bezeichnete Auseinandersetzung im deutschsprachigen Raum eher unbekannt geblieben ist.<\/p>\n<p>Wir steigen aus dem Auto. Noch etwas m\u00fcde blinzele ich in die Sonne, die durch die B\u00e4ume auf das Gel\u00e4nde direkt am Stra\u00dfenrand scheint. Ji\u0159\u00ed und Matej holen einen gro\u00dfen Kranz aus dem Kofferraum. Die Schleife in den Farben blau, wei\u00df und rot flattert im lauen Wind. Ji\u0159\u00ed, der meinen wohl etwas fragenden Blick bemerkt, erkl\u00e4rt: \u201eAls der erste Weltkrieg ausbrach, mussten auch tschechische M\u00e4nner unter \u00f6sterreichisch-ungarische Flagge dienen. Doch viele von ihnen weigerten sich, gegen andere slawische Nationen zu k\u00e4mpfen. Sie legten die Waffen nieder. Einige wurden als Deserteure erschossen, andere k\u00e4mpften sp\u00e4ter an der Seite Serbiens. Auch diesen M\u00e4nnern gilt dieses Denkmal.\u201c Schon schreiten wir durch das kleine Tor und betreten das H\u00e4uschen, in dem eine gro\u00dfe schlanke Frau verschiedene Souvenirs anbietet. Sie begr\u00fc\u00dft uns freundlich und begleitet uns zu dem gro\u00dfen Gedenkstein, wo der Kranz niedergelegt wird. Anschlie\u00dfend f\u00fchrt die nette Dame durch das kleine Museum, vor dessen Eingang mehrere B\u00fcsten bedeutender serbischer Milit\u00e4rs aufgestellt sind. Die vielen Informationstafeln und Ausstellungsst\u00fccke im Inneren verschaffen einen Eindruck \u00fcber Ausr\u00fcstung, Truppenst\u00e4rke und Verlauf der Schlacht.<\/p>\n<p><b>Zur\u00fcck in Beograd<\/b><\/p>\n<p>Gegen Mittag erreichen wir wieder die Hauptstadt. Te\u0161a, mein serbischer Begleiter, nimmt mich in Empfang. F\u00fcr einen gro\u00dfen Abschied von meinen tschechischen Freunden bleibt keine Zeit. Sie m\u00fcssen zur\u00fcck in ihre Heimat, wo sie am n\u00e4chsten Morgen wieder ihr Tagwerk ruft. Eine herzliche Umarmung und die Zustimmung, dass all die Erlebnisse welche wir in den vergangenen Tagen miteinander teilen durften etwas Gro\u00dfartiges sind. Kurz darauf ist der Dacia im Verkehr der Hauptstadt verschwunden.<\/p>\n<p>Nachdem wir mein Gep\u00e4ck untergestellt haben, f\u00fchrt Te\u0161a mich hinauf zur Festung. Die Anfang des 15. Jahrhunderts erbaute, sp\u00e4ter durch moderne Bastionen erweiterte Anlage bildete einst den historischen Kern von Beograd. Die m\u00e4chtigen Tore, T\u00fcrme, W\u00e4lle und Bastionen z\u00e4hlen heute ebenso zu den Sehensw\u00fcrdigkeiten, wie die zwei Kirchen und das Milit\u00e4rmuseum im Inneren der Festung, auf deren Vorfeld sich heute weitl\u00e4ufige Parkanlagen, sowie der Zoo befinden.<\/p>\n<p>Die Ausstellung innerhalb der dicken Festungsmauern ist wohl eine Freude f\u00fcr jeden milit\u00e4rhistorisch Begeisterten. In einer Art gro\u00dfem Freilichtmuseum reihen sich deutsche Sturmgesch\u00fctze und Haubitzen an sowjetische Mehrfachraketenwerfer Katjuscha, Panzerkampfwagen T-34, Seeminen, Flugabwehrgesch\u00fctze und allerlei anderes Kriegsger\u00e4t. Ein Blick auf das n\u00e4chtliche Beograd das sich, zerschnitten vom breiten Flusslauf der Donau, in all seiner Sch\u00f6nheit vor uns ausbreitet, beschlie\u00dft den ausf\u00fchrlichen Festungsrundgang. Ein letztes Mal lassen wir den Abend mit vielen Gespr\u00e4chen in einer der unz\u00e4hligen Gastwirtschaften ausklingen. Morgen wird der Tag des Abschiedes sein.<\/p>\n<p><b>Abschied<\/b><\/p>\n<p>Nach einer viel zu kurzen Nacht sitze ich nun ein einem Beograder Hinterhof und warte auf Te\u0161a, der noch die letzten Dinge aus seiner kleinen Wohnung holt. Eine Frau im Morgenmantel schlurft \u00fcber den kalten Beton und betrachtet etwas missmutig den auf der kleinen Treppe sitzenden Fremden. Es ist Dienstagmorgen. Noch verdeckt ein grauer Wolkenschleier die Sonne und taucht den erwachenden Tag in ein fahles Licht. Katzen erklettern die B\u00e4ume des kleinen Hofes, jagen sich spielend \u00fcber kleine Vord\u00e4cher und Mauerkronen.<\/p>\n<p>Auf meinen Wunsch hin besuchen wir vor meiner Abreise den Fernsehturm auf dem 511 Meter hohen Avala-Berg. Auf der Bergspitze erhebt sich auch das 1938 errichtete Denkmal des unbekannten Soldaten, das den serbischen Helden aus dem Ersten Weltkrieg gewidmet ist. Der Fernsehturm, der mit einer H\u00f6he von 204,68 Metern knapp zwei Meter l\u00e4nger ist als sein baugleicher, am 29. April 1999 bei den Luftschl\u00e4gen der NATO zerst\u00f6rter Vorg\u00e4nger, wurde erst im April 2010 wieder er\u00f6ffnet. An die Zerst\u00f6rung erinnern die in den Tr\u00fcmmern gefundenen und heute neben dem Ticketschalter ausgestellten Fragmente der alten bronzenen Namenstafel. F\u00fcr umgerechnet etwa 1,70 Euro tr\u00e4gt uns der Fahrstuhl mit drei Metern in der Sekunde auf die Aussichtsplattform in etwa 120 Metern H\u00f6he. Ein unheimlicher Wind pfeift durch die Panoramascheiben, die nach oben lediglich mit einem Gitter begrenzt und auf H\u00f6he des Fu\u00dfbodens einen Spalt offen sind. Dichter Wald, weite Felder, Bergketten am Horizont und zu unseren F\u00fc\u00dfen Beograd. Ich genie\u00dfe den 360\u00b0-Blick, w\u00e4hrend mir meine Begleiter verschiedene Dinge genauer erl\u00e4utern. Ein Blick auf die Uhr, die Zeit zum Aufbruch ist gekommen. Fast schon \u00fcber Geb\u00fchr habe ich jede verbleibende Minute in Anspruch genommen. Wieder auf dem Parkplatz vor dem Fernsehturm, machen wir uns unverz\u00fcglich auf den Weg zum Flughafen, wo sich zuerst Te\u0161a, dann mein zweiter Begleiter Novak mit einer festen Umarmung von mir verabschieden.<\/p>\n<p>Nun stand ich wieder da, am Nikola-Tesla-Aerodrom in Belgrad, fertig zum Heimflug, doch l\u00e4ngst nicht bereit daf\u00fcr. Was ich vor meiner Abreise von der Mission erwartete, l\u00e4sst sich mit einem Wort festhalten: Nichts! Was ich bekam, war mehr als ich zu hoffen gewagt hatte. Nicht nur eine gute Zeit mit Freunden aus der Tschechischen Republik oder das Kennenlernen neuer Leute in Serbien. Die Menschen im Kosovo, in besonderem Ma\u00dfe die Kinder, haben mir mit ihrem Mut, ihrem Glauben und ihrer Hoffnung, die sie angesichts ihrer schwierigen Lage dennoch nicht verloren haben, Kraft gegeben. Sie haben mich daran erinnert, dass das Gl\u00fcck in den kleinen Dingen des Lebens liegt. Es liegt im Hort der Familie, im Zusammenhalt, in gegenseitiger F\u00fcrsorge einer fest gef\u00fcgten Gemeinschaft \u2013 nicht im Materialismus einer vermeintlichen Wertgemeinschaft moderner westlicher Pr\u00e4gung. Erkenntnisse, die vielen meiner Landsleute, aber auch vielen politischen Aktivisten, welche seit mehr als 12 Jahren meinen Weg begleiten, verloren gegangen zu sein scheinen.<\/p>\n<p>Mit Versp\u00e4tung erreiche ich am Abend Dresden. Am kommenden Tag ruft wieder die Arbeit. Viel zu schnell ist die Nacht vor\u00fcber. Wie selbstverst\u00e4ndlich schwinge ich mich auf mein Fahrrad und gleite lautlos durch den lauen Wind eines erwachenden Tages. Alles ist wie immer und doch ist nichts mehr wie es war.<\/p>\n<p><em>Ende<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 01.-05. 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