Eine neue Kuh für Familie Micić

„Wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können helfen, sie ein Stück besser zu machen!“ Dies ist der Leitspruch, welcher uns bei unserer Arbeit begleitet und der unsere Gedanken bestimmte, als wir im November vergangenen Jahres vom Schicksal der Familie Micić aus Velika Hoča erfuhren. In der Nacht vom 14. auf den 15. November stahlen „Unbekannte“ die Rinder aus der Scheune der Familie, welche ihren Lebensunterhalt zu einem Teil auch mit dem Verkauf von Käse und Milch bestreitet.

„Ich hatte immer Milch für die Babys, konnte jeden Tag Milch verkaufen, und ich brachte auch Käse nach Kosovska Mitrovica zum Verkauf. Von diesem Geld bezahlte ich Strom und andere Kosten. Und heute kommt mein Enkel von der Schule zurück und sucht nach Milch, und meine Seele schmerzt, weil ich es ihm nicht geben kann. Und ich habe kein Geld, um eine andere Kuh zu kaufen … Ich habe sie jahrelang gefüttert, sie hat uns gefüttert … Und auch das Kalb wurde mitgenommen.“

So beschrieb damals Snežana Micić die Situation kurz nach dem Vorfall.

Kurz darauf starteten wir unseren Spendenaufruf. Mit der Hilfe vieler guter Menschen kam so ein Betrag von 2562,83 Euro zusammen. Durch die Unterstützung der Mönche des Klosters Visoki Dečani konnte für 1500,00 Euro ein neues Tier angeschafft werden, das am 28. März dann an Familie Micić übergeben wurde. Auch ein Kalb konnte in der Zwischenzeit noch erworben werden.

Eine gute Freundin aus dem benachbarten Orahovac besuchte nun die Familie, um sich und uns noch einmal einige aktuelle Eindrücke zum Abschluss dieses Projektes zu verschaffen. Sie sandte uns einige Bilder und sprach mit den Micićs. Sohn Saško sagte:

„Ich möchte alle Leute grüßen, die an der Sammlung des Geldes beteiligt waren, das uns über das Kloster Visoki Dečani übergeben wurde, um eine Kuh zu kaufen. Ich sende allen guten Menschen große Dankbarkeit. Diese Kuh bedeutet mir viel, weil meine Eltern von der Tierhaltung leben. Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne, und wir leben in Velika Hoča. Ich betreibe Landwirtschaft. Mit einem Freund, Miroslav, bauen wir Weizen und Mais auf den Feldern an, die wir in Pacht genommen haben. Wir haben einen Mähdrescher, den wir von Arno Gujon und seiner Organisation Solidarité Kosovo erhalten haben. Nach zwei Jahren harter Arbeit kauften wir einen Zweiten. Die Diebe der gestohlenen Kühe und Kälber haben wir nicht gefunden. Ich gehe ständig zur Polizei, um zu fragen, ob sie die Diebe gefunden haben, aber sie verneinen es. Und je mehr Zeit vergeht, glaube ich nicht, dass sie sie finden werden.“

Auch Snežana sagte, dass die Hilfe, die sie bekamen, sehr bedeutsam war, da Milch und Käse der Kühe fast das ganze Einkommen der Familie einbringen.

„Die Kuh, die wir von dem Geld kauften, das von guten Leuten gesammelt wurde, ist nun trächtig und wir hoffen, dass wir nach dem 6. Mai ein neues Kalb bekommen werden. Wir hoffen, dass sie uns die Tiere nicht mehr stehlen werden. Wir sind ständig wachsam und verriegeln alles.“

Auch wir bedanken uns noch einmal bei allen Helfern, Unterstützern und Spendern, die dieses Projekt möglich gemacht haben, das eines unserer bisher Größten war. Der Rest der Spenden wird in ein neues Projekt fließen, über das wir wie gewohnt in Kürze berichten werden.

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